Tag 4
Letzter Abend, als ich ins Bett ging, war ich mega-froh. Ich dachte, dass heute ich einen Anruf oder eine E-mail von einem Krankenhaus bekommen wurde. Oder etwas, irgendetwas. Nichts. Jetzt bin ich ein bisschen traurig, aber ich sollte nicht so verwöhnt sein… Es ist nur eine Woche seit ich zurück in Rumänien bin. Eine Woche ohne deutsche Luft. Ich werde meinen Kopf in einen Koffer einstecken – da riecht es nach Leberkuchen, denn ich hatte ein bisschen nach Rumänien mitgebracht, und nach Deutschland, Weihnachtsmärkte…
Certa bemüht sich, mir eine Hospitation zu finden, ich weiβ es. Sie schreiben und rufen mich an, aber es ist schwierig… ich habe keine Approbation (einer meiner VIPs sagt „noch“, aber ich denke „mal sehen“) und es ist mir nicht egal, auf welcher Station ich hospitiere. Nein, ich will Gynäkologie.
Manchmal denke ich, vielleicht sollten Sie meinen Blog nicht lesen, denn ich nicht so objektiv bin. Ich kann nicht. Deutschland bedeutet zu viel für mich. Besonders nach dem Monat in Berlin. Auch habe ich das Gefühl, ich werde mein Deutsch vergessen. Oder wenn ich es nicht vergesse, die Angst vor Sprechen wird zurück. Ich spüre es. Ja, mache ich täglich Anamnesen mit Frau Dr H, ja, schreibe ich im Blog, ja, habe ich alle Fachbücher hier, vor mir, ja, ja, ja, aber es ist nicht dasselbe. Langsam, langsam, verliere ich meine gute Laune und möchte nur im Bett bleiben.
Auf dem 30., als ich aufgestanden bin, schrieb ich eine E-mail zu Familie Scheuch… aber ich hatte keine Antwort bekommen. Ich suchte täglich durch meine E-mails und sogar durch Spam, vielleicht die Antwort war da, aber ich hatte die übersehen…? Gestern suchte ich nicht mehr… heute auch nicht… und am Abend… da war meine Antwort! Meine Familie Scheuch hat mir geantwortet!!
„Liebe C.,
vielen Dank für Ihre Nachricht, dass Sie gut angekommen sind. Ihr Gepäck war ja schwerer als Sie selbst. Die Rückenschmerzen sind ja bestimmt wieder weg.
Schade, dass Sie Silvester nicht mehr hier waren. Wir haben von „Ihrem“ Balkon aus ein endloses grandioses Feuerwerk beobachten können.
Die Wohnung war o.k. . Sie haben uns überhaupt nicht gestört, sondern es war uns eine Freude, Sie kennenzulernen.
Für das neue Jahr wünschen wir Ihnen alles Gute und dass Ihre Pläne in Erfüllung gehen.
Vielleicht gibt es ja mal ein Wiedersehen.
Bis dahin liebe Grüße aus Berlin nach Craiova
Norbert und Gudrun Scheuch“
Liebe Frau Scheuch, lieber Herr Scheuch, lieber Eddy, hier schreibt C, das zu leise Mädchen, das sich in Ihrem Wohnung anfangs Dezember versteckte. Vor was… das wäre eine zu lange Geschichte und wir möchten unsere Leser nicht langweiligen. Jeder Tag verlieβ Ihre Wohnung eine mutigere C. Mein Treten wurde fester und meine Hoffnungen wurden höher. Als die Zeit in Dezember verging, geschahen im ersten Stock der Scheuch Familie Wohnung kleine Wunder.
Sie haben mir einen Adventskalender geschenkt – mit zauberischen Pralinen. Der ist schon leer, aber ich habe den noch.
Sehen Sie? Ich werde den immer bewahren. Ich denke, es ist auf keinen Fall zufällig, dass Sie mit Certa zusammenarbeiten. Denn so gab es die Möglichkeit, Ihre Spur auf dem Leben eines uninteressanten (erinnern Sie sich?) rumänischen Mädchens hinterzulassen. Vielen herrzlichen Dank für alles und, ja, vielleicht gibt es ja mal ein Wiedersehen…
🙂
